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Landestrachtenfest 2011 in Winsen/Luhe

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Tausende feiern Landestrachtenfest in Winsen/Luhe Zwischen Polka, Abba und Folklore
dth/hai Winsen/Luhe. Tausende Zuschauer säumten am Sonntagnachmittag die Straßen der Winsener Innenstadt als der große Umzug mit mehr als 40 Trachten- und Folkloregruppen vorüberzog. Der Umzug markierte den abschließenden Höhepunkt des dreitägigen Niedersächsischen Landestrachtenfestes in der Luhestadt. Laut Angaben eines Stadtsprechers verfolgten am Wochenende insgesamt rund 25 000 Besucher die Veranstaltung rund um Trachten, Polka und Folklore. Für das musikalische Kontrastprogramm auf dem Schlossplatz sorgten an den Festabenden unter anderem die Interpretin Fräulein Menke aus Zeiten der Neuen Deutschen Welle, die Bands "Abbafever", "Neugierig" sowie die Lüneburger Shantyrock-Band "Die Piraten".
 
Bürgermeisterin Angelika Bode sagte bei der Eröffnungsrede am Sonnabend, das Landestrachtenfest sei ein weiterer Beweis, dass die Stadt Winsen ein guter Gastgeber sei und fügte an: "Kleider machen Leute, Trachten_1_HA_Hambu_793363bTrachten machen Menschen."
 
Winsens City-Marketing-Chef Matthias Wiegleb verglich die Veranstaltung mit dem "Tag der Niedersachsen": "Nur in klein." Wiegleb und der Zweite Vorsitzende des Landestrachtenverbands, Heinz Müller, schätzten die Gesamtzahl der Besucher optimistischer sogar auf rund 40 000 - verteilt auf alle drei Tage, wenngleich das Besucheraufkommen am Sonnabend eher durchwachsen schien. Der Sonnabendabend stand ganz im Zeichen der Musik: Abbafever, Neugierig und die Old Boys Skiffle Corporation traten auf. In bunten Farben erstrahlte schließlich der Schlossteich eine halbe Stunde vor Mitternacht - zur Musik von Woody's Sound kreierte das Technische Hilfswerk eine anspruchsvolle Choreografie mit der Wasserorgel.
 
Für das internationale Flair des Trachtenfestes sorgte eine Tanzgruppe aus dem polnischen Partnerlandkreis Wolow. Als eine der wenigen Trachtengruppen hatten sie Live-Musik mitgebracht: Mit stimmungsvoller Geigen- und Akkordeonbegleitung sang und tanzte sich die 20-köpfige Folkloregruppe in die Herzen der Zuschauer.
 
Auf insgesamt drei Bühnen, verteilt in der Winsener Innenstadt, präsentierten sich zahlreiche Trachtengruppen, führten ihre einstudierten, meist niederdeutschen Tänze auf. Beispielsweise die "Salder Trachtengruppe" aus Salzgitter um Tanzleiterin Bärbel Winkler. Dabei trugen sie Gewänder - etwa die Männer mit cremefarbenem Ausgehmantel und Dreitimpenhut - wie sie noch um 1850 im Braunschweiger Land üblich waren. Karen Krumpa vom Niedersächsischen Landestrachtenverband erklärt: "Die Trachten unterschieden sich damals nach den Kirchspielen und waren Merkmal von Dörfergemeinschaften." Heinz Müller, Zweiter Vorsitzender des Verbandes, lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit der Stadt Winsen. Die Volkstänzer hätten bis spät in die Nacht Tänze ausgetauscht und sich sehr wohl gefühlt.


FOLKLORE-TREFFEN
Hauptstadt des Tatzelwurms
Für ein Wochenende war Winsen an der Luhe das Zentrum des niedersächsischen Trachtenwesens. Manche der Teilnehmer reisten sogar aus Berlin an - und übernachteten auf Luftmatratzen in der Turnhalle. VON JULIA MATEUS
 
Vorbereitungen auf das Landestrachtenfest: Mitglieder des Trachtenvereins Apelern befestigen den Kranz an einer Brauttracht. Foto: dpa
Vor dem Winsener Bahnhof klebt ein kleines Fähnchen auf einer Straßenlaterne. Das Fähnchen ist rot-gelb-blau gestreift, auf einer Seite ist ein Pfeil, der die Straße hinunter zeigt. 300 Meter weiter geradeaus klebt das nächste Fähnchen, irgendwann ertönen Trommelschläge. Sie kommen von einer Bühne, auf der Männer in Dreiviertelhosen und Kniestrümpfen tanzen. Die Frauen tragen bunte Röcke und Schürzen.
Wir sind beim 22. Landestrachtenfest in Winsen / Luhe. Mehr als 30 Trachtengruppen sind in das kleine Städtchen gereist, manche bleiben das ganze Wochenende und übernachten in einer Turnhalle auf Luftmatratzen. "Das ist dann das Fest nach dem Fest", sagt Marina Legal von der oberschlesischen Volkstanzgruppe aus Berlin.
In der Turnhalle könne man Akkordeonspielern im Nachthemd begegnen, sagt Legal. Es werde weitergetanzt, manchmal bis drei Uhr morgens. Die einen trügen dabei noch Tracht, andere seien bereits im Pyjama. Auch die Winsener Gruppe wird dort übernachten - wegen der Stimmung.
Marina Legal trägt auf dem Kopf ein weißes Tuch, das sie hinten mit Haarnadeln befestigt hat. Gleich kommt ihr Auftritt. Sie seien "wegen des Tanzens und der Gemeinschaft" angereist, sagt sie. Ihre Brille hat einen dünnen violett-glänzenden Rahmen, in Berlin arbeitet sie in einem Steuerbüro. Bestattungen_2_HA_B_794434b
"Marina!", ruft ein Mann hinter ihr. Er trägt goldene Broschen auf seinem roten Hemd. Marina Legal dreht sich um, sie unterhalten sich. "Wir erkennen uns an der Tracht", sagt sie. "In Zivil hätten wir uns vielleicht übersehen."
"Einmal zur Seite bitte, wir brauchen Platz", fordert der Moderator. Er hat ein Mikrofon in der Hand. Die Helfer bauen die vordersten Stuhlreihen ab, die Zuschauer rücken nach hinten. Die Tänzer fassen sich an den Händen und springen vor der Bühne im Kreis, oben steht nur noch der Akkordeonspieler. "Tatzelwurm" heißt der Tanz. Im Takt wird ein Bein nach vorne gestreckt und die Zuschauer müssen aufpassen, dass sie keinen Tritt vors Schienbein bekommen.
In einem halb geöffneten Partyzelt hat der Landestrachtenverband Niedersachsen einen Infostand aufgebaut. Auf einem Biertisch liegen Broschüren, daneben steht eine Geldkassette und eine Flasche Magenbitter. Ein Mann verteilt die erste Runde in langstielige Schnapsgläser.
In der Ecke des Zeltes, auf einer Holzbank, sitzt Karen Krumpa von der Trachtengruppe Lüchow-Dannenberg. Für aufwendige Trachten seien 1.000 Euro Materialkosten die Untergrenze, sagt sie. Das weiße, fest gewickelte Kopftuch verdeckt ihren Hals und ihre Haare, nur der Scheitel ist sichtbar. "Wir sind eben trachtenverrückt" sagt sie. Karen Krumpa ist seit ihrem sechsten Lebensjahr in der Trachtengruppe - jetzt ist sie 40 Jahre alt.
Auf die Bühne nebenan eilt ein Tontechniker im Wacken-T-Shirt und repariert noch schnell ein Mikrofon, währenddessen steigen Frauen in leuchtend roten Röcken und buntem Bandbesatz hinauf: Sie tragen die Österten Tracht aus dem Schaumburger Land, eine der aufwendigsten des Festes. Die Trachten sind fast komplett handgefertigt. Allein das Anziehen dauert bis zu zwanzig Minuten. "Diese Damen haben nur ihre Strümpfe im Kaufhaus besorgt", sagt der Moderator.
2010 wurde die Österten Tracht zur "Tracht des Jahres" gekürt, bis vor kurzem waren im Schaumburger Land noch Trachten auf der Straße zu sehen. Bis in die 1920er Jahre seien Schaumburger Frauen ohne ihre "Punzmützen" gar nicht nach draußen gegangen, erzählt Henning Dormann von der Schaumburger Trachtengruppe "Niendärsche Kaumelkers". Öffentliches Sich-Zeigen ohne Tracht galt als unkeusch.
Er habe noch erlebt, dass Frauen in Tracht in ihrer Einbauküche standen und mit einem elektrischen Messer hantierten, sagt Dormann. Aber auch das sei vorbei. "Die Technik überholt eben den Brauch", seine Stimme klingt fast empört. Dann sagt er: "Man kann ja mit einer 15 Zentimeter hohen Punzmütze schlecht in ein Auto steigen."
Auf einer Bank in der Fußgängerzone sitzt Wilfried Dubiel, der Vorsitzende des Landestrachtenverbandes Niedersachsen. Er trägt eine schwarze Kappe, deren Rand hochgebogen ist, und trinkt Erdbeersekt. "Der ist aus echten Erdbeeren", sagt er und eilt nach nebenan, um einen Plastikbecher zum Probieren zu holen. Der Becher trägt das Logo des Volkstanzkreises Winsen, es zeigt die Silhouette eines tanzenden Paares. Fünfzig Cent pro Becher gehen als Spende nach Japan. Bestattungen_3_HA_B_794435b
Ringsherum stehen fliegende Händler, ihre Wagen säumen die Straßen der Winsener Altstadt. Einer der Wagen ist aus glänzendem, braunem Plastik und hat die Form eines Holzfasses. "Omas Gurkenfass" steht in grünen Leuchtbuchstaben darauf. Gegenüber der Bühne gibt es hausgemachte Erbsensuppe für drei Euro. Andere Wagen bieten thailändische Nudeln, frisch frittierte Chips und Bratwurst. Auf dem Tisch eines Getränkestandes stehen meterhohe Glasgefäße, hier gibt es auch Eierlikör-Aprikosenbowle.
Gegen halb sieben Uhr abends tanzt die letzte Trachtengruppe den Tanzschlager "Danz op de Deel", dann übernimmt eine Marching Band. Sie spielt "Pokerface" von Lady Gaga auf dem Xylofon. Vor der Bühne tanzt eine Cheerleadergruppe in lindgrünen Tops, schwarzen Miniröcken und Glitterpompoms.
Die Trachtenträger verschwinden langsam aus der Winsener Innenstadt, übrig bleibt ein Altstadtfest. Eine ABBA-Coverband bereitet sich auf den Auftritt vor, die Winsener Grünen verteilen Windblumen an Kinder. Und es wird etwas ruhiger in der Fußgängerzone. Die ersten Trachtengruppen haben vielleicht schon die Turnhalle erreicht. Das Fest nach dem Fest steht noch bevor.



Landestrachtenfest:
Winsen im Jubelrausch


Veranstalter schätzen die Besucherzahl auf rund 40.000

Von Mathias Hainke

Winsen. Mit einem Donner¬schlag endete das Landestrachtenfest in Winsen. Während des Abschluss¬umzuges gestern um 16 Uhr schien noch die Sonne, nur wenige Minuten nachdem die letzte der über 50 Gruppen sich den jubelnden Besuchern gezeigt hatte, setzten Blitz, Donner und strömender Regen ein. Großes Glück für die Veranstalter, Pech für Besucher, die zu Fuß gekommen waren.
Wie das Stadtfest, nur entspannter und mit höherem kulturellen Anspruch – so lässt sich das dreitägige Landestrachtenfest wohl am besten in Worte fassen. Winsens City-Marketing-Chef Matthias Wiegleb nannte es gar den „Tag der Niedersachsen in klein“. „Klein“ ist eine nette Umschreibung dessen, was sich in der Innenstadt abspielte. Wiegleb und der Zweite Vorsitzende des Landestrachtenverbandes Heinz Müller schätzten die Gesamtzahl der Besucher auf rund 40000.
„Ich kann gar nicht glauben, dass das schon 30 Jahre her ist“, nahm Frl. Menke die Besucher des Trachtenfestes zum musikalischen Auftakt am Freitag¬abend mit auf eine Reise zurück in die Zeit der Neuen Deutschen Welle. „Ihr seid alle noch so jung, kennt ihr die NDW überhaupt noch?“ Gut gelaunt berichtete sie zwischen ihren Hits wie „Tretboot in Seenot“ und Songs von Nena und anderen 80er-Jahre-Stars über ihre Arbeit als UPS-Fahrerin in Harburg, bei der sie oft immer noch als Fräulein angesprochen werde. Im Anschluss rockten Die Piraten aus Lüneburg die Bühne mit Seemannsliedern.
Mit „Moin, moin liebe Lüüd“ und „Lachend kommt der Sommer“ begrüßte der Kinderchor der Kontaktstelle Musik die Besucher zur offiziellen Eröffnung des Trachtenfestes am Sonn¬abendvormittag. Radio-ZuSa-Moderator Dirk „Hardy“ Hartkopf führte durch die Veranstaltung auf der Schlossplatzbühne. Bürgermeisterin Angelika Bode blickte in ihrer Begrüßungsrede auf Winsen als Veranstalter großer Feste zurück und hob dabei die Landesgartenschau 2006 und den Tag der Niedersachsen 2008 hervor. Das Landestrachtenfest sei ein weiterer Beweis, dass die Stadt ein guter Gastgeber sei. „Kleider machen Leute, Trachten machen Menschen“, führte sie ein Zitat an, das bestens in die Tradition des Trachtenfestes passt.
Bestattungen_1_HA_B_794433bSitzen bleiben war zur Eröffnung unerwünscht. Die Zuschauer waren aufgefordert mitzutanzen, als die Kinder des Volkstanzkreises Winsen auftraten. Landrat Joachim Bordt und Angelika Bode zeigten Humor und machten bei den Kindertanzübungen mit. Für das internationale Flair des Festes sorgte eine Tanzgruppe aus dem polnischen Partnerlandkreis Wolów. Unter Akkordeonbegleitung führten sie traditionelle niederschlesische Tänze auf. Im Anschluss brachten Dieter Kindler und Band den Gästen von außerhalb die Stadt Winsen mithilfe eines Winsen-Liedes näher. Dann starteten die Vorführungen der Trachtengruppen auf den drei Bühnen.
„Durchatmen“, lautete der Tipp von Marga Gaus von der Trachtengruppe Meinsen-Warber, gegen die heißen Temperaturen am Sonnabend. In ihrer Bückeburger Festtracht, im letzten Jahr als Tracht des Jahres ausgezeichnet, kam sie mächtig ins Schwitzen. Besonders die schwarze Flügelhaube schien ihr zu schaffen zu machen, doch sie winkte ab: „Das sind wir gewohnt.“ Die Tracht könne sie rund zehn Stunden am Stück tragen.
Die Trachtengruppen übernachteten allesamt in den Winsener Schulen. Die Bückeburger kamen in der Turnhalle der Johann-Peter-Eckermann-Realschule unter. Es sei fantastisch gewesen, lobte Gaus die Gastfreundlichkeit der Winsener. An der Stadt gefallen ihr vor allem die kurzen Wege und die Übersichtlichkeit. Trachten zählen noch gar nicht so lange zu den Hobbys von Marga Gaus. Erst seit 13 Jahren ist sie aktiv dabei. Zuvor war ihre Tochter Corinna im Alter von vier Jahren über den Volkstanzkreis in die Gruppe eingestiegen, zwei Jahre später zog ihre Mutter nach.
Der Sonnabendabend stand ganz im Zeichen der Musik. Abbafever, Neugierig und die Old Boys Skiffle Corporation traten auf. In bunten Farben erstrahlte der Schlossteich dann ein halbe Stunde vor Mitternacht. Zur Musik von Woody’s Sound kreierte das Technische Hilfswerk eine anspruchsvolle Choreografie aus Wasserstrahlen.
Heinz Müller, Zweiter Vorsitzender des Landestrachtenverbandes, lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit der Stadt Winsen. Die Volkstänzer hätten bis spät in die Nacht Tänze ausgetauscht und sich sehr wohl gefühlt. City-Marketing-Chef Matthias Wiegleb erklärte rückblickend den Auftritt der Abba-Coverband Abbafever zu seinem ganz persönlichen Highlight. „Eine gnadenlos gute Show“, fasste er zusammen. Sehr gefallen habe ihm auch die Kunstmeile zwischen Schloss und Kreishaus.

 

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