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„ Das Feeling für die Tracht muss erhalten bleiben“
Bericht über das Trachtenkundeseminar in Heeslingen am 22.10.2011 von Karen Krumpa
Problemlösungen bei Trachtenfragen und allgemeine Veränderungen im Trachtenbereich war das Thema beim Trachtenkundeseminar. Zum wiederholten Male durften wir in Heeslingen bei der Heimat- und Fördergemeinschaft Börde Heeslingen e.V. zu Gast sein. Wir wurden, wie immer herzlich empfangen und nach einer kleinen Stärkung begann die Diskussionsrunde unter der Moderation von Michael Kablitz.
Eine der zentralen Fragen, welche die meisten Teilnehmer an diesem Tag interessierte, war die Materialbeschaffung. Es wird zunehmend schwieriger die „richtigen“ Stoffe für die Trachten zu finden. Die alten Materialien gibt es nicht mehr und man muss Kompromisse eingehen. Solche Wahl fällt schwer. Entweder man entscheidet sich für einen Stoff der optisch und vom Trageverhalten dem Original am ehesten entspricht, oder man greift auf moderne Stoffe aus Synthetik zurück. Im ersten Fall hat man in der Regel mehr Pflegeaufwand und unter Umständen mehr Gewicht zu tragen, im zweiten Fall sind die Stoffe oftmals viel zu leicht und sitzen bzw. fallen nicht richtig, dafür sind sie aber strapazierfähig und gut waschbar. Hinzukommt noch der preisliche Aspekt, wieviel kann und möchte man für eine Tracht ausgeben. Abgesehen davon ist man als Mitglied in einer Trachtengruppe immer bemüht sich der Gemeinschaft anzupassen. Aber, und darin waren sich alle Anwesenden einig, bei Erneuerungen bzw. Änderungen der Tracht sollte man auch immer eine Vorbildfunktion für die anderen Gruppenmitglieder sein.
Ausgiebig wurde auch über Authentizität in der Tracht diskutiert. Es gibt Trachtenträger, die nur „schön“ aussehen wollen. Dadurch kann es passieren, dass Teile miteinander kombiniert werden die nicht zusammen gehören. Dem Alter entsprechend möchten sich heutzutage auch nicht mehr alle kleiden und meistens wird dann nur die prächtige Festtracht vorgeführt, egal ob Werktag oder Sonntag. Dabei ist es doch wichtig, wenn die Möglichkeit besteht, in unterschiedlichen Trachten aufzutreten und dem Zuschauer die Vielfalt der Tracht mit all ihren Regeln nahe zubringen. Manche Gruppen wirken uniformiert, weil alle gleich aussehen. Dies hängt natürlich oftmals mit der Materialbeschaffung zusammen, größere Mengen Stoff sind günstiger. Aber trotzdem sollte man dann versuchen Variationen in die einzelnen Trachten zu bringen. Denn bei dem Zuschauer wird der Eindruck erweckt, es gäbe nur „eine richtige“ Tracht, die immer getragen wurde. Dabei sind die Übergänge oft fließend gewesen, Veränderungen hat es immer gegeben. Die Anwesenden waren sich einig: Authentizität ist nicht nur bei den Materialien und Schnitten wichtig sondern auch das korrekte Tragen dem Alter und Anlass entsprechend. Auf den Punkt gebracht: „Das Feeling für die Tracht muss erhalten bleiben.“ so Helga Behrens von der Original Scheeßeler Trachtengruppe.
Das Seminar war dazu gedacht sich über die Probleme auszutauschen, Kritik zu üben und sich Lösungen gemeinsam zu überlegen. Tatsächlich waren sich alle Teilnehmer in den wesentlichen Fragen einig. Jeder einzelne sollte Vorbild sein und gegebenenfalls Trachtenträger bzw. Trachtengruppen auf Fehler hinweisen. Kompromisse müssen wir in der heutigen Zeit eingehen, wie weit wir dann vom Original abweichen müssen oder möchten, sollte in jedem Fall immer kritisch hinterfragt werden.
Wir haben an diesem Tag aber nicht nur diskutiert. Nach einem leckeren Mittagessen durften wir an einer Führung durch die einzigartige frühromanische Feldsteinkirche St. Viti teilnehmen. Bereits im Jahre 961 wurde in Heeslingen ein Frauenkloster gegründet und somit feiert der Ort seinen 1050. Geburtstag in diesem Jahr.
Für mich war es ein schöner und informativer Tag. Vielen Dank an alle Anwesenden für die rege Beteiligung. Ein besonders herzlicher Dank gilt den Heeslingern für ihre Gastfreundschaft und die vorzügliche Bewirtung.
Zum Abschluss noch eine Bitte in eigener Sache. Der LTN möchte den Bezugsquellennachweis für Trachtenbedarf immer auf den aktuellen Stand halten. Sollte jemand neue Adressen haben oder feststellen, dass welche nicht mehr aktuell sind, dies bitte beim Trachtenkundeausschuss melden oder sich direkt an Michael Zock wenden, der den Bezugsquellennachweis betreut.
Karen Krumpa
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