Projekte

Achimer Kurier, Sonnabend, 16. Februar 2008
Text & Bilder: Katrin Wefers

Trachtenreichtum im Heimathaus
Arbeitskreis des Vereins der Gästeführer im Landkreis Verden kümmert sich um historische Kleidung

Oyten. Bestickte Hauben und Strohhüte, Rockfalten, Fransen und polierte Jackenknöpfe sind die Objekte der Begierde in den Trachtengruppen Ottersberg und Oyten, die seit zehn Jahren kontinuierlich an der Rekonstruktion ihrer historischen Tracht arbeiten. Zur Präsentation der selbstgeschneiderten Trachten bedankte sich der Ehrenvorsitzende vom Heimatverein Oyten, Johannes Grote, noch einmal für die Leihgabe der historischen Hauben aus dem Handarbeitsfundus der Pestalozzischule.

Auch Michael Zock war im Heimathaus als Vertreter des Trachtenkundeausschusses vom Landestrachtenverband Niedersachsen dabei, um die Bemühungen des Arbeitskreises des Gästeführer im Landkreis Verden zu unterstützen und den Gästen die Brauchtümer der Region näher zu bringen. In Trachtenkundeseminaren könne man den niedersächsischen Trachtenreichtum des 19. und 20. Jahrhunderts kennen lernen, so Zock. Dieser Trachtenreichtum überrage sogar das Angebot in Bayern. Er appellierte an ein verantwortungsvolles, authentisches Tragen von Trachten und historischer Kleidung in der Öffentlichkeit.

Sein eigenes Erscheinungsbild fiel am Donnerstag allerdings etwas aus dem Rahmen. Da er selbst „keine fünf Minuten von den Bremer Stadtmusikanten entfernt wohne“, präsentierte sich Zock inmitten der bäuerlichen Trachtenliebhaber „städtisch modisch“, nach britischem Vorbild, mit Frack und Zylinder. Gästeführerin Ilse von Spreckelsen erschien in einer reich verzierten Ottersberger Sonntagstracht und erklärte den Brauchtum der Aussteuer, die aus modisch unabhängiger Ehren-, Sonntags-, und Arbeitskleidung bestand. Durch die Reisemöglichkeiten mit der Eisenbahn habe die Tracht ab 1835 an Bedeutung verloren, so Spreckelsen. Im Anschluss zeigte sie die Besonderheiten an den selbstgenähten Kleidern und Mänteln, Gebetsbuchtüchern und „Flohlöchern“. Der soziale Statuts des Trägers oder der Trägerin konnte man an der Anzahl von Messingknöpfen und Rockfalten festmachen.


Fotos: Michael Zock

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