|
Tanz- und Musiklehrgang Bredbeck oder Spannung, Tanz und Spaß mit den Börd Heeßler Danzers
Auch in diesem Jahr fand wieder ein Tanz- und Musiklehrgang in Bredbeck nahe Osterholz-Scharmbeck statt. Ich war zum ersten Mal dabei und wurde mehr oder weniger freiwillig dazu gezwungen einen kleinen Erlebnisbericht zu schreiben. Dies ist nun mein Versuch … Aber beginnen wir von vorn…
In einer Tanzpause auf einem unserer Übungsabende hatte unsere Gruppenleitung eine Idee. Unser Tanzleiter Johann hatte die Einladung für Bredbeck erhalten, seine Erna war an diesem Wochenende aber verhindert. Da Johann aber nun keine Lust verspürte allein zu fahren, beschloss er kurzerhand seine “jungen Leute” mitzunehmen und so nahm das Schicksal seinen Lauf. Er meldete uns an, wir bekamen Anfang November die Bestätigung und waren gespannt, was uns erwarten würde.
Der Tag der Abreise war gekommen, wir starteten natürlich verspätet. So war es schon vorprogrammiert, dass wir wieder unseren Ruf pflegen würden… Ich betrat den Speiseraum, in dem alle anderen Teilnehmer warteten und es erschütterte mich durch Mark und Bein. Mir war klar, dass der Großteil natürlich wesentlich älter sein würde als ich, doch dass gar keine anderen jugendlichen Tänzer vorhanden sein würden, hatte ich mir nicht vorstellen können. Ich schaute in das Gesicht meiner Heeßler Freunde und sah, dass sie genauso empfanden wie ich. Schüchtern und unter den Blicken der anderen setzten wir uns an einen Tisch in der Ecke und warteten die Begrüßung durch Erwin Luttmann ab. Der Lehrgang war eröffnet und begann mit dem Abendessen. Danach erfolgte die Zimmerverteilung, wir durften in das Haus am Ende des Geländes. Doch Zeit zum grübeln gab es nicht. Man konnte nur seine Sachen abstellen und musste sich gleich auf den Weg in den “Tanzpavillion” machen. Es sollte gleich losgehen mit der “Schwedischen Quadrille” oder dem Bogentanz und vielen anderen… Nach einigen Tänzen ging es zum gemütlichen Teil über. Wir gingen ins Kaminzimmer, in dem die Musiker bereits warteten. Der Spaß begann… Uns hielt es nur kurz auf unseren Stühlen, bedingt durch unseren jugendlichen Elan und den Einsatz der Musiker. Meine Freunde und ich tanzten den Abend durch und motivierten die anderen immer wieder zum mitmachen. Dadurch dass man froh sein konnte einen “männlichen” Tanzpartner zu bekommen, mischte sich die Gruppe und man lernte sich kennen. Begünstigt wurde dies durch die Teilnahme der Holzmindener Damen. So musste keiner, der nicht wollte zuschauen. Allmählich legte sich die Schüchternheit und es wurde ein wunderbarer Abend. Musiker wurden kurzerhand zu Tänzern umfunktioniert, und natürlich konnten diese auch gleich mitmachen, schließlich schauen sie ja zu und dadurch würde man das auch lernen… Die Nacht war kurz. Bereits ab 9 Uhr des nächsten Morgens ging es weiter. Ich betrat den Speisesaal und wurde begrüßt durch das Gelächter der anderen. Dabei sahen die auch nicht wesentlich fitter aus. Den ganzen Tag über versuchte Erwin uns neue Tänze beizubringen und erzählte uns Zusammenhänge und Herkünfte. Es handelte sich zumeist um ruhigere, sachtere Tänze, so dass wir unseren Bewegungsdrang nicht vollends befriedigen konnten. Ja natürlich mussten wir Rücksicht nehmen, doch mir war klar dass es ja noch einen Abend geben würde. Nach dem Mittagessen wollten die “älteren” Teilnehmer eine Mittagspause einlegen. Mir war das Recht, denn so konnten wir noch schnell unsere Vorräte auffüllen und uns für den kommenden Abend wappnen. Wir tanzten den gesamten Nachmittag über. Doch die größte Freude bereiteten uns die Musiker, als sie am Abend in unseren “Tanzpavillion” einkehrten. Uns saß ein komplettes Orchester gegenüber, mit Akkordeons, Geigen, Gitarren und Flöten. Es war ein großartiges Erlebnis zu diesem gewaltigen Klang tanzen zu dürfen. Als wir unser neu erlerntes Programm durchgetanzt hatten, wechselten wir wieder ins Kaminzimmer und es begann abermals ein schöner Abend mit viel Tanz, Spaß und Gelächter. Der Sonntag begann etwas gemütlicher, denn mittlerweile war jedem der fehlende Schlaf anzumerken. Nichtsdestotrotz ging es nach dem Frühstück wieder tapfer ans tanzen. Abgerundet wurde das Wochenende durch ein Abschlussgespräch und natürlich einen Tanz zur Musik unseres Orchesters. Beim gemeinsamen Mittagessen schloss Erwin das Wochenende und es ging wieder in Richtung Heimat. Abschließend kann ich sagen, ich war froh dabei gewesen zu sein. Auch wenn es mir tagsüber manchmal schwer fiel noch zuzuhören, die Abende entschädigten mich. Ebenso der Klang des Orchesters, denn wann hat man die Gelegenheit zu etwas zu erleben. Ja wir wurden von den älteren manchmal beschmunzelt und mussten uns anhören, wir würden die Gruppe ganz schön aufmischen und wir würden grundsätzlich zu spät erscheinen. Ich musste uns verteidigen und erklären, dass uns Heeslingern dass leider in die Wiege gelegt wird. Danke Johann, dass du uns mitgenommen hast und Dank auch an Erwin und die anderen Teilnehmer dass ihr uns ertragen habt. Toll wäre es, wenn noch andere junge Tänzer mit uns den Lehrgang aufmischen würden. Auf jeden Fall kann ich sagen, ich freue mich euch alle wiederzusehen auf den kommenden Tanzfesten oder aber spätestens im nächsten Jahr wenn es wieder heißt: Achtung Bredbeck, Heeslingen kommt!
Ynez-Saskia Loose, Börd Heeßler Danzer
Bericht zum Seminar des LTN in Bredbeck vom 20.-22.11.2009
Freitag, 20.00 Uhr Zugegeben, ich fahre mit etwas gemischten Gefühlen nach Bredbeck. Mein Bruder hat mir lang und breit von diesem Treffen vorgeschwärmt. Wie soll ein Arbeitswochenende bitteschön so hohe Erwartungen erfüllen? - Jedenfalls sind wir nun angekommen, wegen meiner Arbeit etwas zu spät, aber noch rechtzeitig, um zur ersten Probe zu kommen. Die Gebäude des ehemaligen Gutes verteilen sich über ein recht weitläufiges, baumbestandenes Gelände und vermitteln gleich ein Gefühl von Oase. Wir stoßen im Atriumhaus zu den anderen Musikern, in einem recht gemütlichen mit Fachwerk ausgestattetem Raum. Großartige Klänge empfangen uns, das erste Stück sitzt schon gut. Das Fundament der reichlich vertretenen Akkordeons wird angenehm ergänzt durch Flöten und Geigen. Und eine Tuba liefert den Bass! Das passt gut zu der Schwarzwälder Melodie. Ich freue mich schon darauf, die Mandoline zu zücken und mitzumachen. Vorher noch die Sachen aufs Zimmer bringen. Praktischerweise sind wir Musiker im selben Haus untergebracht. "Die, die immer als letzte auf sind, haben die am dichtesten gelegenen Zimmer. Euers ist direkt gegenüber von der Saaltür..." Oho. Der saubere Herr Bruder ist also einschlägig bekannt, hihihi... Das Zimmer selbst: geräumig, gemütlich, sehr angenehm. Gute Betten, was ja häufig nicht ein Problem darstellt. Jetzt aber nur eben die Sachen abstellen und zurück zur Musik! Freitag, 21.30 Uhr Eine sehr erfreuliche Probe liegt hinter uns. Ben aus Winsen und Henning aus Westerstede, die beiden Probenleiter, machen den Job das erste Mal. Inzwischen haben sie die nötige Sicherheit gefunden, und die Atmosphäre ist angenehm, locker und entspannt. Wie bei Laienmusikern üblich, ist das Niveau sehr unterschiedlich, aber das stellt kein Problem dar. Die Stücke sind nicht schwer, und wer neue Melodien nicht ganz so flüssig vom Blatt abspielen kann, wird von den erfahreneren Musikern um ihn herum mitgetragen und findet sich schnell durch die Stücke. Ich genieße das Gefühl des Spieles im Orchester. Nachdem die offizielle Probe beendet ist, kommen die Tänzer, die in einem anderen Haus geprobt haben. Und schon geht es weiter mit der Musik, diesmal aber mit wirbelnden Paaren auf der Tanzfläche! Ein Tanz jagt den nächsten, ein umfangreiches Repertoire, irgendwer hat immer Noten dafür... Freitag, 23.15 Uhr Nur mal kurz Pause machen, was trinken und ein bisschen den Rücken grade machen. Aber keine Zeit für lange Sätze, Musik machen! Sonnabend, 2.55 Uhr Bis jetzt wurde fast ununterbrochen getanzt! Insbesondere die jungen Leute aus Heeslingen sind unermüdlich gewesen. Haben wir tatsächlich sieben Stunden lang fast ohne Pause gespielt? Die Zeit ist wie im Rausch vergangen -- dabei habe ich keinen Tropfen angerührt! Musik ist immer noch die beste Droge! Aber jetzt ist gut... muss... schlafen... Sonnabend, 7.15 Uhr Der Wecker klingelt. Frühstück gibt es nur zwischen 8.00 Uhr und 9.00 Uhr da hilft nix... Ich habe selten so gut in einem Seminarheim geschlafen. Die Betten sind wirklich gut! Sonnabend, 8.15 Uhr Wir gehen ein paar Schritte ins ehemalige Gutshaus, das mit seinen Erkerchen einen netten Eindruck macht. Das Frühstücksbuffet ist wirklich solide, der Speisesaal hell und aufgeräumt. Was den modernen Kunststil angeht, der auch das ganze Gelände prägt: naja. Worpswede ist halt nicht weit. Muss man mögen, ich mag´s lieber gediegen-rustikal. Aber die Räumlichkeiten sind warm und freundlich. Sonnabend, 10.30 Mittlerweile sitzen wir schon wieder ein Stündchen beim Proben. Das ist der Vorteil bei der knapp bemessenen Frühstückszeit: man nutzt den Vormittag. Und zwar gut! Unsere Noten sind allesamt recht einfach, meistens ist eine zweite Stimme notiert, manchmal mehr. Technisch sind keine großen Herausforderungen dabei, aber mit ebenso einer einfachen wie effektiven Registrierung holen wir viel aus den Stücken heraus. Es bleibt viel Platz zum Improvisieren und immer mal wieder ein Solo für jemand. Alle hören gut aufeinander, und so ergänzen sich so unterschiedliche Instrumente wie Flöten, Geigen, Gitarren, Trompeten, Banjo, auch die beachtliche Akkordeonphalanx wirkt nicht erdrückend. Ich staune, mit welchem Tempo wir hier die Stücke erarbeiten. Da kommt keine Langeweile auf! Sonnabend, 13.00 Uhr Zeit zum Mittagessen. Besonders gut gefällt mir die reichliche Salatbar, aber auch sonst hat mein Bruder nicht untertrieben, als er die Küche lobte. Sonnabend, 14.00 Uhr Ich finde tatsächlich Zeit, um mich ein Stündchen hinzulegen. Augenblicklich bin ich weg. Sonnabend, 15.00 Uhr Frisch ans Werk und weitergemacht! Mit diesem Orchester will man keine Minute Probenzeit versäumen. Norddeutsche, süddeutsche, skandinavische Tänze bilden ein abwechslungsreiches Repertoire, und immer wieder klingt es anders. Mit viel Gefühl und beschwingt sind alle hochkonzentriert bei der Sache. Kaum jemand redet zwischendurch mal unter der Hand über etwas anderes, alle sind so sehr ganz bei der Musik, wie ich es bisher nur selten mal erlebt habe! Leider hat uns der Tubaspieler verlassen. Er kam mit den Notensätzen nicht klar, und bis ihm Ben und Henning die Noten umgeschrieben haben, wollte er nicht warten. Sehr schade, sein Bass hat gut dazugepasst! Sonnabend, 17.00 Uhr Die Kaffeepause hat fast gestört. Draußen wird es dunkel, wir merken es kaum. Sonnabend, 19.30 Uhr Nach einem wieder sehr guten Abendbrot (man konnte zwischen warmen Essen und Brot wählen, und wieder gab es eine üppige Salatbar) sind wir nun zu den Tänzern in den "Pavillon", eine große runde Halle, gewandert. Endlich werden die erarbeiteten Sachen zusammengebracht. Es ist ein Genuss, Jung und Alt zuzusehen, wie sie vor uns begeistert übers Parkett kreisen! Ich bin so aufgeregt, dass ich fast mein Solo verpatze. Es war schon schön, die Tänze einzuüben. Aber mit den Tänzern dazu wird das ganze zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wann spielt man schon mal mit so vielen guten Musikern für so viele Tanzpaare? Während ich euphorisch zuschaue, vergesse ich fast auf die Noten zu achten... Sonntag, 1.00 Uhr Es ist gekommen, wie es kommen musste. Nach dem offiziellen Tanzprogramm sind wir wieder in unserem Fachwerkraum gelandet und gemacht. Zwar wurde der Abend etwas ruhiger, denn die letzte Nacht sitzt allen noch in den Knochen, aber langweilig war es dennoch nicht! Zunächst haben wir ein paar Vortragsstücke gespielt, schließlich aber ging es wieder mit der Tanzerei los. Ich aber kann nicht mehr und muss die Segel streichen. Von meinem Zimmer aus gegenüber vom Saal kann ich die Musik hören. Zu bretonischen Klängen schlafe ich ein. Sonntag, 11.00 Uhr Ein letztes Mal haben wir geübt, nun sind die Tänzer wieder zu uns gekommen, und es gibt noch eine Abschlussrunde. Wir halten Rückschau, und alle sind sich einig: das Wochenende hat sich mehr als gelohnt. Der ein oder andere hätte sich ein oder zwei anspruchsvollere Stücke dazwischen gewünscht, aber man kann es nie allen perfekt machen. Dazu ist das Leistungsniveau einfach zu unterschiedlich auf einem Treffen dieser Art. Insofern sind schon alle ganz zufrieden: denn schließlich ist es kein Problem, ein einfaches Stück raffiniert zu spielen. Wem wäre damit gedient, wenn wir uns an zu komplexe Sachen wagen und die mit Ach und Krach durchspielen? Dann doch lieber so herum viel Spaß haben und zwischendurch einfach mal drauflos improvisieren, wenn einen der Hafer sticht! Ein, zwei Tänze zum Abschluss, dann verabschieden wir uns von den Tänzern schließlich noch mit einem fränkischen Humorstück. Es war ein großer Rausch! Sonntag, 12.30 Uhr Zuguterletzt noch Mittagessen vor der Abfahrt. Erst jetzt merke ich, wie sehr die Fingerkuppen schmerzen von den dünnen Stahlseiten. Ich schaue mich um und habe das Gefühl, mich von vielen neuen Freunden zu verabschieden. Dabei habe ich mit den wenigsten von ihnen mehr als ein, zwei Worte gewechselt. Aber so ist das: Musik und Tanz sind eine Sprache, mit der man sich kennen lernt, auch ohne viel zu reden. Sonntag, 15.00 Uhr Bei strahlendem Sonnenschein fahren mein Bruder und ich durch den norddeutschen Spätherbst über die Dörfer des Teufelsmoores. Vor uns leuchtet die Geest, und bis nach Haus ist es jetzt nicht mehr weit. Roland Röpnack Neuling bei den "Heidjer Dörpsmuskanten" der Tanz- und Trachtengruppe "De Beekscheepers" aus Scheeßel
|